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Thorsten Voelkel

Genmai

By Praxis

Genmai ist die traditionelle Reissuppe, die in den Tempeln Japans nach dem Zazen und der Zeremonie am Morgen gegessen wird. Sie ist die Verwirklichung der Konzentration des Zazen in den Handlungen des täglichen Lebens. Im Zen Dojo Zürich Muijoji servieren wir die Genmai jeden Morgen von Montag bis Freitag im Anschluss an das Zazen.

Wenn die genmai wahrhaftig ist, werden alle Dinge wahrhaftig. Wenn alle Handlungen des Lebens wahrhaftig sind, wird auch die Genmai wahrhaftig.

Dogen

Buddha Shakyamuni

By Die Meister unserer Tradition

Meine Lehre beruht auf zwei Punkten. Erstens: nie etwas behaupten, das man nicht selbst erfahren hat. Zweitens: nie etwas sagen, was anderen nicht hilft.

Buddha

Buddha stammte aus einer adligen und reichen indischen Familie und trug den Namen Siddharta, was bedeutet «Erfüllung aller Wünsche». Verstört durch die Leiden der Lebewesen, und der Erkenntnis, dass die oberflächlichen Freuden dem Menschen kein wahres Glück bringen können, verließ er mit neunundzwanzig Jahren seine Familie, um den Weg zu suchen. Nach sechs Jahren der Suche und der Askese, am Ende seiner Kräfte, verstand er, dass der Mensch durch diese Praktiken die Befreiung vom Leiden nicht finden könne. So setzte er sich in der Lotushaltung unter den Bodhi-Baum, mit dem festen Entschluss, sich nicht wieder zu erheben, bevor er das Grundproblem des Lebens vollkommen gelöst hätte. Unbewegt und in tiefer innerer Stille, verwirklichte er die Erweckung. Ohne etwas zu suchen oder zu fliehen, ohne Trennung zu erschaffen, sah er die Dinge so, wie sie sind, das heißt in der unbegrenzten Wirklichkeit des Seins, und wurde so zu Buddha, dem Erwachten.

Die Lehre Buddhas hat ihre Quelle in seiner gelebten Erfahrung. Zu Zeiten Shakyamunis gab es zahlreiche philosophische Systeme und Religionen, die Gegensätze und Dispute mit sich brachten. Jede hatte ihre eigene Doktrin der absoluten Wahrheit und behauptete, dass die anderen Lehren irrig seien. Buddha erklärte solche Dispute für hohl und hielt von jeder metaphysischen Diskussion Abstand. Diese Fragen schienen ihm nicht der Kern einer authentischen Suche nach Weisheit zu sein, denn sie legten einen Abstand zwischen den Menschen und den Weg, der ihn vom Leiden befreit. Seine Argumente stützten sich auf zwei Punkte: nichts behaupten, was nicht sicher ist; nichts behaupten, was für die Menschen nicht nützlich ist. Man kann Buddha mit einem Arzt vergleichen, der der kranken menschlichen Natur eine Kur vorschlägt. Er hatte nicht die Absicht, eine neue Religion zu erschaffen, sondern dem Menschen zu helfen, die Quelle seines Leidens zu verstehen und sich davon zu befreien.

Bodhidharma

By Die Meister unserer Tradition

Ich bin in dieses Land gekommen, um das Dharma weiterzugeben und um es vom Irrtum zu befreien. Eine Blume öffnet fünf Blütenblätter, die Frucht reift von selbst.

Bodhidharma

Nach 28 Generationen von Nachfolgern des Buddha Shakyamuni wurde Bodhidharma am Anfang des sechsten Jahrhunderts Dharma-Erbe des Patriarchen Hannyatara (jap. für Prajñātāra). Bodhidharma begab sich auf eine lange und beschwerliche Reise nach China, führte dortdas Zen einund wurde der erste Zen-Patriarch in China. Frühen Berichten zufolge war er damals bereits hundert Jahre alt.Die Legenden um Bodhidharma sind reichhaltig. Ob sie historisch authentisch sind oder nicht, in der Zen-Lehre haben sie eine tiefe Bedeutung erlangt.

Was ist Zen? Offene Weite, nichts von heilig.

Bodhidharma

Dogen

By Die Meister unserer Tradition

Unser Leben ist unstet und flüchtig wie der Widerschein des Mondes im Tautropfen am Schnabel eines Wasservogels.

Dogen

Dogen Zenji (1200–1252) ist eine der bedeutendsten religiösen Persönlichkeiten des Ostens und wird von allen buddhistischen Schulen anerkannt. Im politisch unruhigen Japan des 13. Jahrhunderts als Sohn einer aristokratischen Familie geboren, verlor er seine Eltern früh. Beim Anblick des Rauchs, der von einem Räucherstäbchen am aufgebahrten Leichnam seiner Mutter aufstieg, wurde er tief getroffen von der Unbeständigkeit aller Dinge und der Bedeutungslosigkeit weltlicher Anliegen. Dem letzten Wunsch seiner Mutter entsprechend, verzichtete er auf eine politische Karriere und wurde mit dreizehn Jahren Mönch.

Seine Suche nach der Essenz der buddhistischen Lehre führte ihn zehn Jahre später nach China, wo er seinem Meister Tendo Nyojo begegnete, mit dem er bis zu dessen Tod praktizierte. Als Nachfolger von Nyojo nach Japan zurückgekehrt, bezeugte er seine Erfahrung mit folgenden Worten, die ein Ausdruck der Rückkehr zum Normalzustand von Körper und Geist sind, der Übereinstimmung mit dem kosmischen Leben: «Ich bin mit leeren Händen wiedergekommen. Alles, was ich euch sagen kann, ist dieses: Die Augen sind waagrecht und die Nase ist senkrecht. Morgen für Morgen geht im Osten die Sonne auf, und der Hahn schreit in der Dämmerung. Jedes vierte Jahr hat der Monat Februarneunundzwanzig Tage.»Er zog sich in den Tempel Kennin-ji zurück und schrieb das Fukanzazengi, «Die universellen Regeln für die Zazen-Übung». In China hatte er realisiert, dass Zazen alles einbeziehen und die Quelle aller Handlungen des Alltags sein muss, dass der Weg hier und jetzt ist, in der Ausübung jeglicher Sache. Einige Jahre nach seiner Rückkehr nach Japan gründete er Eihei-ji, den «Tempel des ewigen Friedens», der noch heute einer der beiden Haupttempel des Soto-Zen ist.

Kodo Sawaki

By Die Meister unserer Tradition

Kodo Sawaki (1880–1965) verlor früh seine Eltern und musste bereits als Kind seinen Lebensunterhalt in der Obhut des Freundes eines Onkels unter Glücksspielern bestreiten. Nachdem er den Tod eines alten Mannes in einem Bordell erleben musste, kamen ihm die Unbeständigkeit des Lebens und die Absurdität eines solchen Todes zu Bewusstsein. Ohne Familie, ohne Freunde, ohne Geld, sechzehn Jahre alt, begab er sich zu Fuss zum Tempel Eihei-ji. Erst nur als Diener akzeptiert, wurde er 1897 zum Mönch ordiniert. Später zog er sich in eine verlassene Einsiedelei zurück, da er enttäuscht erkennen musste, dass das Üben von Zazen aus dem japanischen Zen praktisch verschwunden war. Er schlief wenig, verbrachte seine Tage und Nächte damit, Zazen zu praktizieren und die Unterweisungen von Meister Dogen zu studieren.

Nach Jahren solchen Lebens begann er umherzureisen und die Lehre überall in Japan zu verbreiten, in Grossstädten und Fischerdörfern, in Universitäten und Gefängnissen, und machte so die Praxis von Zazen auch für Laien zugänglich. Da er sich nirgends niederlassen wollte und stets allein unterwegs war, nannte man ihn «Kodo ohne Bleibe». Mit 55 Jahren wurde er als Professor an die Buddhistische Komazawa-Universität berufen und schliesslich auch einer der Verantwortlichen für die Unterweisung im Tempel Soji-ji, einem der beiden Haupttempel des Soto-Zen in Japan. Kodo Sawaki wurde für sein einfaches und freies Leben in ganz Japan respektiert und bewundert. Viele Schüler folgten ihm, unter ihnen Yasuo Deshimaru. 1965, als Kodo Sawaki im Sterben lag, bat er Deshimaru, ihm nachzufolgen und das ursprüngliche Zen in der westlichen Welt weiterzugeben, die reine Übung von shikantaza («im Sitzen die Wahrheit berühren», Eihei Dogen), die im traditionellen Tempelsystem jener Zeit fast vergessen war.

Meiho Missen Michel Bovay

By Die Meister unserer Tradition

Zen hat keinen Geschmack, also gebt ihm keinen Geschmack.
Es ist ohne Geruch, also gebt ihm keinen Geruch.
Es ist ohne Farbe, also gebt ihm keine Farbe.
Zen ist Musik ohne Töne, gespielt auf einer Flöte ohne Löcher.
Es hat keine Form, also gebt ihm keine Form.
Dann ist sein Geschmack, sein Geruch und seine Farbe von der Schönheit des Herbstes und des dürren Baumes.
Seine Musik verbreitet sich im ganzen Universum und dringt selbst in das Ohr eines Tauben ein.
Seine Form umfasst den ganzen Kosmos und seine Weisheit glänzt bis in die Ewigkeit.

Meiho Missen Michel Bovay

Michel Bovay wurde 1944 in Monthey in der Schweiz geboren. In seiner Jugend war er erfolgreicher Musiker, Komponist und Produzent und spielte in verschiedenen Bands, von denen vor allem die Rock-Band The Sevens in den Sechzigerjahren Furore machte. 1972 begegnete er dem japanischen Zen-Meister Mokudo Taisen Deshimaru und folgte ihm kurze Zeit später nach Paris. Als naher Schüler, vertrauter Mitarbeiter und Organisator half er Meister Deshimaru massgeblich, Zen in Europa zu verbreiten. Im täglichen Umgang mit dieser ausserordentlichen Persönlichkeit erlebte er im wahrsten Sinne des Wortes Zen im Alltag.

Nach dem Tod von Mokudo Taisen Deshimaru 1982 wurde Michel Bovay einer der Hauptverantwortlichen für die Weitergabe von dessen Lehre. Er wurde mit drei anderen nahen Schülern dazu bestimmt, die Bestätigung der Dharma-Übermittlung durch den Abt des Tempels Eihei-ji zu erhalten, akzeptierte diese jedoch erst 1998 von Gu’en Yuko Okamoto Roshi vom Tempel Teishoji, der selbst als Schüler von Kodo Sawaki praktiziert und Deshimaru stets unterstützt hatte.

Dem Wunsch seines Meisters entsprechend kam Meiho Missen Michel Bovay 1985 in die Schweiz zurück. Hier konzentrierte er seine Unterweisung im Zen Dojo Zürich, leitete Zazentage, Sesshin und Sommerlager. Von 1995 bis 2003 war er Präsident der von Taisen Deshimaru gegründeten Association Zen Internationale. Michel Bovay war Autor und Mitherausgeber des Buches Zen (Praxis und Lehre, Geschichte und Perspektive) und kreierte unter dem Titel Zengeschichten eine Theatervorstellung, die er mit grossem Erfolg im deutsch- und französischsprachigen Raum zur Aufführung brachte.In Folge einer schweren Erkrankung übergab er 2007 die Verantwortung seiner ältesten Schülerin, der Zen-Nonne Eishuku Monika Leibundgut. Meiho Missen Michel Bovay unterstützte sie und das Zen Dojo Zürich bis zu seinem Tod im Jahr 2009. Einer seiner letzten Sätze, den er mehrmals wiederholte, war:

Zerbrecht Euch nicht den Kopf, tut was euch tief Freude macht, aber gebraucht immer eure Weisheit.

Während eines Besuches von Meister Gu’en Yuko Okamoto, der oft die Gedichte vom einfachen Leben von Meister Ryokan zitierte, sagte Michel in einer Ansprache:

Obwohl ich Präsident der AZI bin und dies eine grosse Organisation ist, möchte ich in alledem den Geist von Ryokan beibehalten.