
Setzt euch beharrlich in Zazen. In Zazen zu sitzen ist die Grundlage der Übung. Es ist gut, 35 Jahre zu üben, seinen Hunger mit ein wenig Nahrung zu stillen und seine Sinne zu schonen. Schliesst die Tür und setzt euch hin. Lest keine Sutras, führt mit niemandem Diskussionen. Wenn ihr auf diese Weise übt, ist es zum ersten Mal wirksam. So werdet ihr wie ein Affe, der mit Vergnügen das Innere einer Nuss geniesst. Sehr wenige vollbringen die Kunst, einfach nur in Zazen zu sitzen.
Doshin
Dojo bedeutet «Ort des Weges». Ein Zen Dojo ist ein Ort, in dem man zur Stille, zur Einfachheit des gegenwärtigen Augenblicks und zum wahren Frieden des Geistes zurückfinden kann, eine Oase in unserer bewegten, komplizierten und lärmigen Welt. In der starken und harmonischen Atmosphäre des Dojos wirkt sich der gegenseitige Einfluss der Praktizierenden ebenso wie die Präsenz der Älteren, Mönche und Nonnen, günstig für jeden Übenden aus und ermöglicht so die Verwirklichung einer authentischen Praxis im Alltag.
Das Zen Dojo Zürich wurde 1975 von Taisen Deshimaru gegründet und gehört der Soto-Linie des Zen an, die von Meister Dogen im 13. Jahrhundert in Japan begründet wurde. Als Zen-Tempel trägt es den Namen Muijo, „Schloss der Nicht-Angst“. Das Zen Dojo Zürich gehört der von Taisen Deshimaru gegründeten Association Zen Internationale (AZI) an und ist in Japan von der Soto-shu, dem japanischen Dachverband, anerkannt.
Der Tempel bietet tägliche Praxis und Unterweisung an und steht allen offen, die ernsthaft den Buddha-Weg praktizieren wollen. Darüber hinaus organisiert er auch Sommerlager, Sesshin, Zazentage und Vorträge sowie andere Aktivitäten, die in Beziehung zur Zen-Praxis stehen, und publiziert ebenfalls aktuelle Unterweisungen und Übersetzungen alter Texte. Jeden letzten Samstag im Monat gibt es eine Einführung in die Praxis von Zazen. Zusätzlich finden auf Anfrage regelmässig auch Einführungen für Gruppen (Schulklassen, Studenten, Erwachsenenbildung) statt sowie Zeremonien für Abdankungen.
Im Zen Dojo Zürich ist es wie folgt möglich, Zazen zu praktizieren: (Eine Einführung ist unerlässlich!)
Das Zazen beginnt genau zu den angegebenen Zeiten. Bitte sich mindestens 10 Minuten vor Beginn im Dojo einfinden. Während dem Zazen ist es nicht möglich, das Dojo zu betreten oder zu verlassen.
Jeden Morgen wird anschliessend an das Zazen die traditionelle Reissuppe (genmai) serviert. Am Samstag findet ein gemeinsames Mittagessen statt.
Was ist der Sinn unseres Lebens? Der Sinn ist, das Problem unserer Existenz zu lösen. Obwohl wir die Buddha-Natur besitzen, haben wir bisher nur im dunkeln getappt. Nicht gefesselt zu sein, weder von der Gesellschaft noch vom Ego, das ist – denke ich – die wahre Freiheit. Diese Freiheit, das ist die Nicht-Angst.
Kodo Sawaki

Wenn euer Geist zu vagabundieren beginnt, dann folgt ihm nicht, sondern bleibt immer auf eure Haltung konzentriert. Und wenn sich der Geist irgendwo aufhalten möchte, auf einer Kategorie, einer Idee, dann setzt euch dort nicht fest. Euer Geist wird von selbst einverstanden sein und nicht mehr vagabundieren und sich aufhalten wollen. Und so werdet ihr erreichen, dass euer Geist in einem Zustand der Nicht-Verfestigung bleibt. Und warum wird euer Geist damit einverstanden sein? Weil es seiner wahren, tiefen Natur entspricht, auf nichts festgelegt, nicht gefesselt, mit allem in Einklang zu sein.

Wenn einer fragt, «Was ist das wahre Zen?», ist es nicht nötig, dass ihr den Mund öffnet, es zu erklären. Zeigt alle Aspekte eurer Zazen-Haltung, dann wird der Frühlingswind wehen, und die wunderbare Pflaumenblüte öffnet sich.

Genauso wie die richtige Atmung nur aus einer korrekten Haltung hervorkommen kann, fliesst die Geisteshaltung ganz natürlich aus einer tiefen Konzentration auf Körperhaltung und Atmung. Im Zazen ziehen die Bilder, die Gedanken, die mentalen Gebilde, die aus dem Unbewussten entspringen, vorbei wie Schatten vor einem Spiegel und verschwinden auf natürliche Weise. Wenn man persönliche Gedanken nicht unterhält, erscheint – jenseits des Denkens – das hishiryō-Bewusstsein. Dieser Zustand ist nicht der eines speziellen Bewusstseins, sondern die Rückkehr zum ursprünglichen Zustand. Ohne zu versuchen, die Wahrheit zu erreichen oder die Illusionen abzuschneiden, manifestiert sich das universelle Bewusstsein auf natürliche Weise. Durch die Zazen-Übung kann man verstehen, dass alle Gedanken nichts weiter sind als leere Formen, die kommen und gehen, entblösst von jeder wirklichen Substanz. So erlebt man, dass ein intuitives, ursprüngliches Bewusstsein existiert, radikal verschieden vom gewohnten Bewusstsein des Ich. Wenn man die richtige Haltung beibehält und eine tiefe und ruhige Atmung praktiziert, kann die Wirklichkeit des Lebens gespürt werden, welche das ganze Universum durchdringt.

Beim Zazen spielt die Atmung eine wesentliche Rolle. Die Ausatmung ist ruhig, nicht wahrnehmbar und gibt einen langsamen, kräftigen und natürlichen Rhythmus vor. Die Einatmung kommt von selbst. Sie ist kürzer als die Ausatmung. Während Zazen verlangsamt sich der Atemrhythmus wie auch der Herzrhythmus; das Blut und die inneren Organe werden besser mit Sauerstoff versorgt. Die Ausatmung, die Druck nach unten gibt, auf den ganzen Unterbauch, entwickelt große Energie in Höhe derTaille, der Nierengegend und der Hüften. Der Übende kann diese Atmung im Alltag beibehalten, denn der Körper nimmt sie letztlich an. Die Meister vergleichen die Atmung beim Zazen oft mit dem Muhen einer Kuh oder der Atmung eines Babys, das schreit, wenn es zur Welt kommt. Die kurze Einatmung und die langsame und kraftvolle Ausatmung sind Zeichen und Ursache von Stärke und Vitalität. Im Gegensatz dazu deutet eine ober-flächliche und kurze Ausatmung auf Schwäche und depressive Zustände hin. Wenn die Atmung gut ist, werden alle Dinge des Lebens leicht. Wenn Körper und Geist verbunden sind, fegt eine tiefe, langsame. ruhige, kraftvolle Atmung alle Kompliziertheit des Mentalen weg. Der Geist wird klar wie ein wolkenloser Himmel.

Das grosse Wunder ist nicht, auf den Mond zu fliegen, sondern auf der Erde zu gehen.
Meiho Missen Michel Bovay
Kinhin übt man zwischen zwei Zazen. Es ist das Gehen im Rhythmus der Atmung. Wie beim Zazen ist die Konzentration auf jeden Aspekt der Haltung wesentlich. Beim Kinhin ist der linke Daumen im Innern der linken Faust eingeschlossen, die Daumenwurzel drückt gegen das Sonnengeflecht. Die rechte Hand umschließt die linke Faust. Die Unterarme sind waagerecht und parallel zum Boden, die Schultern entspannt. Der Rücken ist gerade, das Kinn zurückgezogen, der Nacken gestreckt, der Blick gesenkt in einem Winkel von fünfundvierzig Grad. Während der Ausatmung drückt man mit der Wurzel der großen Zehe des vorderen Fußes und mit dem ganzen Körpergewicht stark auf den Boden, das Knie ist gespannt. Wie beim Zazen ist die Ausatmung lang, tief, geräuschlos und kraftvoll. Sie ruft eine Ausdehnung unterhalb des Nabels hervor und erschafft in der Haltung eine starke Stabilität. Am Ende der Ausatmung entspannt sich der Körper, die Einatmung geschieht ganz natürlich, gleichzeitig macht man einen halben Schritt vorwärts. Kinhin entwickelt in uns eine Haltung von großer Würde und Noblesse. Die wiederholte Übung von Kinhin, wie auch von Zazen, beeinflusst unser Leben und lässt uns in allen Handlungen des Alltags Gleichgewicht und aufrechten Gang erwerben. In einem Dojo lehrt man die Grundhaltungen, die die Quelle allen Handelns im Alltag werden – sitzen, stehen, gehen, liegen —, zum Ursprung zurückzukehren und sein Leben von diesem Ursprung aus wieder zu erschaffen. So wird alles die Frucht des Zen.
Wenn ihr eure Füsse hier und jetzt vorwärts bewegt, gibt es weder nah noch weit. Der geringste Zweifel trennt um eine so grosse Entfernung, wie ein Berg entfernt ist vom Fluss.
Sekito Kisen

Das Kleid des Satori. Kesa (jap.) bzw. kasaya (sanskr.), bedeutet Ockerfarbe, Erdfarbe. Es ist das Kleid des Zen-Mönchs und der Zen-Nonne, Symbol der Weitergabe von Meister zu Schüler, Sinnbild des spirituellen Lebens.
Nachdem er unter dem Bodhi-Baum die Erweckung verwirklicht hatte, sammelte Buddha Shakyamuni alte Leichentücher auf, wusch sie, färbte sie mit Erde und nähte sie zusammen. So entstand das erste Kesa, das er trug, um Zazen zu praktizieren. Dieses Kesa wurde weitergegeben von Meister zu Schüler, von Patriarch zu Patriarch bis heute. Dogen schreibt: Das Kesa ist das Herz des Zen, sein Mark und seine Knochen. Es ist nicht nur ein Gewand, sondern das Symbol des Zen-Geistes. Meister Wanshi Shogaku (1091–1157) nennt es das Feld des Glücks. Wenn man es umlegt und Zazen praktiziert, verwandelt sich das schlechte Karma in gutes Karma, der Mensch wird Buddha. Es gibt viele Namen, um es zu benennen: Körper Buddhas, Geist Buddhas, Kleid des Ungeformten, des Unendlichen, der Geduld, Kleid des grossen Mitgefühls, Gewand des Satori, Feld des Glücks.

Sesshin bedeutet wörtlich «den wahren Geist berühren», mit sich selbst vertraut werden, mit seinem eigenen Körper und mit seinem Geist.
Seit der Zeit von Buddha Shakyamuni sind die Sesshin das Herz des Zen. Es handelt sich um Perioden der Übung, die der intensiven Zazen-Praxis gewidmet sind. Es bedeutet, seinen Egoismus, den Geist der Trennung aufzugeben, und sich in Einklang bringen mit den Anderen, der Natur, der kosmischen Ordnung. Während eines Sesshin, dessen Dauer zwischen einem und mehreren Tagen variiert, ist jede Handlung die Fortsetzung von Zazen, alle Handlungen sind vom Geist der Praxis belebt. Zazen, die Arbeit, die Mahlzeiten, der Schlaf werden zu dōkan, zum Ring des Weges – ohne Anfang, ohne Ende. Das Sesshin wird auf diese Weise zu einem Fundament für die Verwirklichung der Praxis im alltäglichen Leben. Konzentriert man sich auf einen Punkt nach dem anderen, wird unser Leben eine harmonische Linie. Zen besteht darin, in der vollkommenen Gegenwart des Seins zu leben. Es ist die Erfahrung der Ewigkeit im gegenwärtigen Moment.

Die Sangha ist die Gemeinschaft der Praktizierenden. Sie ist ein Aspekt dessen, was man im Zen die Drei Schätze nennt, und ohne die eine authentische Praxis letzten Endes nicht möglich ist. Alle Wesen befinden sich in wechselseitiger Abhängigkeit mit der Umgebung. In der Sangha ist dieser gegenseitige Einfluss günstig für jeden Übenden. Man begegnet wahren geistigen Freunden und erhält deren Unterstützung auf dem Weg. Daher ist es wichtig, sich im Dojo mit den anderen in Einklang zu bringen, wie Milch und Honig zu sein, die sich vollkommen vermischen. Indem wir gemeinsam mit den anderen praktizieren, wird die Sangha so zu einem Spiegel unserer wahren Individualität. Durchdrungen vom Geist der Zazen-Praxis, erlaubt sie uns die wahre Freiheit jenseits unseres Egoismus zu finden, in Harmonie mit unserer Umgebung, aber ohne Verstrickung.

Genmai ist die traditionelle Reissuppe, die in den Tempeln Japans nach dem Zazen und der Zeremonie am Morgen gegessen wird. Sie ist die Verwirklichung der Konzentration des Zazen in den Handlungen des täglichen Lebens. Im Zen Dojo Zürich Muijoji servieren wir die Genmai jeden Morgen von Montag bis Freitag im Anschluss an das Zazen.
Wenn die genmai wahrhaftig ist, werden alle Dinge wahrhaftig. Wenn alle Handlungen des Lebens wahrhaftig sind, wird auch die Genmai wahrhaftig.
Dogen

Die Blüte öffnet sich leicht und wohlig, wenn sie der Sonne zugewandt ist.
Wo die Sonne nicht hinkommt, hat es der Schnee schwer zu schmelzen.
Wenn man in Windrichtung ins Feuer bläst, sind die eigenen Kräfte nicht von Nöten.
– Meister Deshimaru

Meine Lehre beruht auf zwei Punkten. Erstens: nie etwas behaupten, das man nicht selbst erfahren hat. Zweitens: nie etwas sagen, was anderen nicht hilft.
Buddha
Buddha stammte aus einer adligen und reichen indischen Familie und trug den Namen Siddharta, was bedeutet «Erfüllung aller Wünsche». Verstört durch die Leiden der Lebewesen, und der Erkenntnis, dass die oberflächlichen Freuden dem Menschen kein wahres Glück bringen können, verließ er mit neunundzwanzig Jahren seine Familie, um den Weg zu suchen. Nach sechs Jahren der Suche und der Askese, am Ende seiner Kräfte, verstand er, dass der Mensch durch diese Praktiken die Befreiung vom Leiden nicht finden könne. So setzte er sich in der Lotushaltung unter den Bodhi-Baum, mit dem festen Entschluss, sich nicht wieder zu erheben, bevor er das Grundproblem des Lebens vollkommen gelöst hätte. Unbewegt und in tiefer innerer Stille, verwirklichte er die Erweckung. Ohne etwas zu suchen oder zu fliehen, ohne Trennung zu erschaffen, sah er die Dinge so, wie sie sind, das heißt in der unbegrenzten Wirklichkeit des Seins, und wurde so zu Buddha, dem Erwachten.
Die Lehre Buddhas hat ihre Quelle in seiner gelebten Erfahrung. Zu Zeiten Shakyamunis gab es zahlreiche philosophische Systeme und Religionen, die Gegensätze und Dispute mit sich brachten. Jede hatte ihre eigene Doktrin der absoluten Wahrheit und behauptete, dass die anderen Lehren irrig seien. Buddha erklärte solche Dispute für hohl und hielt von jeder metaphysischen Diskussion Abstand. Diese Fragen schienen ihm nicht der Kern einer authentischen Suche nach Weisheit zu sein, denn sie legten einen Abstand zwischen den Menschen und den Weg, der ihn vom Leiden befreit. Seine Argumente stützten sich auf zwei Punkte: nichts behaupten, was nicht sicher ist; nichts behaupten, was für die Menschen nicht nützlich ist. Man kann Buddha mit einem Arzt vergleichen, der der kranken menschlichen Natur eine Kur vorschlägt. Er hatte nicht die Absicht, eine neue Religion zu erschaffen, sondern dem Menschen zu helfen, die Quelle seines Leidens zu verstehen und sich davon zu befreien.

Ich bin in dieses Land gekommen, um das Dharma weiterzugeben und um es vom Irrtum zu befreien. Eine Blume öffnet fünf Blütenblätter, die Frucht reift von selbst.
Bodhidharma
Nach 28 Generationen von Nachfolgern des Buddha Shakyamuni wurde Bodhidharma am Anfang des sechsten Jahrhunderts Dharma-Erbe des Patriarchen Hannyatara (jap. für Prajñātāra). Bodhidharma begab sich auf eine lange und beschwerliche Reise nach China, führte dortdas Zen einund wurde der erste Zen-Patriarch in China. Frühen Berichten zufolge war er damals bereits hundert Jahre alt.Die Legenden um Bodhidharma sind reichhaltig. Ob sie historisch authentisch sind oder nicht, in der Zen-Lehre haben sie eine tiefe Bedeutung erlangt.
Was ist Zen? Offene Weite, nichts von heilig.
Bodhidharma